Ein besonderes Arbeitsverhältnis

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Berufswegeplanung ist das Schlüsselwort des Projekts „Bildung – Inklusion – Arbeit“, einem Beratungsangebot der
Stiftung Haus Hall in Gescher. Das Programm wendet sich vor allem an junge Menschen mit Handicap und soll ihnen helfen, ihren Platz im beruflichen Leben zu finden. Und der muss nicht zwangsläufig in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung sein. Mithilfe von Haus Hall hat das auch Chris Hagemann geschafft.

„Ich habe meinen Traumjob gefunden“, betont Hagemann. Der 24-Jährige arbeitet als Produktionshelfer im Ziegelwerk Schüring in Gescher. Er packt Paletten, fährt Gabelstapler, vertritt Kollegen an der Formpresse und an der Setzmaschine, ist da, wo er gebraucht wird. „Das hat sich im Lauf der Zeit so ergeben“, blickt Andreas Denne zurück. Der Geschäftsführer der traditionsreichen Firma hatte zunächst einem Schülerpraktikum zugestimmt. Hagemann war damals noch an der Förderschule Haus Hall. Dort wird Berufswegeplanung groß geschrieben. „Wir haben ein regelrechtes Netzwerk aufgebaut“, erklärt Uwe Martin. Er ist Integrationsassistent und berät Schüler bereits lange vor ihrem Abschluss in allen Fragen ihrer beruflichen Zukunft. Interviews, Eignungstests und Praktika geben präzise Aufschluss darüber, wo die Interessen und die Fähigkeiten der jungen Leute liegen. Eltern und Lehrer sitzen mit am Tisch. Zur Agentur für Arbeit und zum Integrationsfachdienst besteht eine enge Zusammenarbeit. Entscheidend aber sind die guten Verbindungen zu einer großen Zahl von Betrieben in der Region. Die Werkstätten von Haus Hall profitieren davon, dass sie bereits bei vielen Firmen als Lieferant oder als Dienstleister bekannt sind. Somit ergeben sich auch in vielen Fällen Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Handicap. Was einmal als Praktikum begonnen hatte, führte schon mehr als 25 Mal zu einem ganz normalen, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz. So auch im Ziegelwerk Schüring, wie Inhaber Denne erklärt: „Die Entwicklung fand Schritt für Schritt statt.“ Hagemann absolvierte seine Berufsbildungsmaßnahme dual: Schlüsselkompetenzen und überbetriebliche Themen wurden in Modulform in den Werkstätten Haus Hall vermittelt, so auch der Staplerführerschein. Die Praxis absolvierte er ausschließlich im Betrieb, zwei Jahre lang. „Für uns war die enge Begleitung durch den Integrationsassistenten wichtig. Somit hatten wir immer einen verlässlichen Ansprechpartner“, betont Denne.

Quelle: Wirtschaft aktuell 10-2017